Sommerruhe (Ästivation)

Nachdem der Frühling in den heimatlichen Steppengebieten der Testudo horsfieldii vorbei ist wird es dort extrem heiß und die Schildkröten ziehen sich gezwungenermaßen in ihre Höhlen zurück.und harren der Dinge. Dies kann mehrere Wochen, ja sogar Monate dauern. Die Steppenschildkröten halten gewissermaßen eine Sommerruhe, auch als Ästivation bezeichnet. Um Energie zu sparen sind die Bewegungen auf ein Minimum begrenzt . Erst wenn es in der Steppe wieder etwas abkühlt, Regenfälle einsetzen, so dass  Junge Pflanzentriebe sprießen, kommen die Tiere aus ihren Höhlen heraus.

Einigen Berichten zufolge kommt es sogar gelegentlich vor das die Tiere direkt im Anschluss an die Sommerruhe in die Winterstarre übergehen. In klimatisch, extremen Heimatbiotopen soll die Summe der Ruhe- und Starreperioden sogar bis zu 9 Monaten betragen.

Auch bei unseren Tieren können wir, wenn auch nicht in solchem Maße (Außnahmen bestätigen die Regel), eine mehr oder weniger Intensive Sommerruhe beobachten. Diese kann , u.a. auch Wetterbedingt, von Jahr zu Jahr abweichen. In Extremfällen kann sie ausbleiben oder relativ lange (bei unseren Tieren bis zu ca.6 Wochen) dauern. Sicherlich spielt auch das Herkunftsgebiet der Steppenschildkröten hierfür eine Rolle.

In der Regel ziehen sich unsere Testudo horsfieldii während längerer Hitzeperioden im Hochsommer in die Frühbeete zurück und graben sich leicht bis vollkommen ein. Dabei werden Orte unter Grasbüscheln, Baumstämmen und Wurzeln bevorzugt. Einige Tiere bleiben, wie in der Winterstarre, für Wochen verschwunden ohne jegliche Nahrung aufzunehmen. Andere wiederum sind eher nur sehr inaktiv, fressen jedoch (fast) täglich. Erkrankungen oder gar Todesfälle sind während oder nach der Ästivation noch nie aufgetreten. Bis auf Semjon (siehe Text weiter unten), ein sehr altes Männchen, beenden all unsere Testudo horsfieldii die Sommerstarre selbstständig.

In diesem Gehege leben sechs ein- und zweijährige Nachzuchttiere von Testudo horsfieldii.5 Tiere haben im Sommer 2006 eine mehrwöchige Sommerruhe gehalten. Das 6. Tier war häufig sehr inaktiv, hat auch viel geruht kam im Gegensatz zu den anderen aber fast jeden Tag zum Vorschein.Die beiden Höhlen welche man auf den Bildern sieht habe ich freigelegt.Ursprünglich war das Substrat so hoch wie auf dem oberen Bild die Gras narbe.

Semjon unser alter Kasache

ist aus der Sommerruhe nicht mehr aufgetaucht. Dabei hatten wir mittlerweile Mitte September. Nach längerer Suche sind wir ihm ca.6 Wochen nach seinem abtauchen am Ende eines 70cm langen Gang auf die Schliche gekommen. Eine in der Struktur etwas abweichende Substratoberfläche unter vertrocknetem Gestrüpp hat ihn verraten. Das Erdreich im  Gang. hatte er  hinter sich sehr stark verdichtet. Ich habe die Erde nur mit Hilfe eines Astes lockern können. Dort wo er schlief war die Erde leicht feucht, ganz feinkrümelig  und viel lockerer als im Gang. Der Schlafkessel hatte einen  Durchmesser von ca.20cm und war dabei kreisrund. Es bestand also für Semjon die Möglichkeit im Kessel ohne größeren Kraftaufwand umzudrehen.Nachdem ich das Erdreich aus dem Gang entfernt hatte, habe ich diesen offen gelassen. Wenige Minuten später, es war ein herrlicher Tag mit strahlendem Sonnenschein, kam er aus seiner Höhle herausgelaufen. Am Abend ist Semjon wieder in seiner Höhle verschwunden, hat auch wieder Erdreich hinter sich gebracht. Jedoch ist er nach der Hälfte des Ganges um 90° abgebogen. Ich wollte nicht riskieren das ich ihn nicht wiederfinde und hab ihn ins Gewächshaus überführt. Da hier nach unten eine Begrenzung eingebaut ist kann er sich nicht davon buddeln.

update 05/09: Semjon gräbt sich jedes Jahr im August bis in eine Tiefe von ca. 50cm ein. Die Länge des Ganges beträgt dann ca. 70 bis 90cm. Wir graben ihn nach ca. 6 Wochen wieder aus. Es ist bei ihm offensichtlich das er Sommerruhe und Winterstarre in einem Schritt bewältigen will. Würden wir ihn gewähren lassen ist anzunehmen das er sich vielleicht im März oder April wieder ausgräbt. Dann wäre das eine Ruhe/Starre von ca. 8 Monaten und das ist zu lange und zu riskant. Da keine andere unserer Testudo horsfieldii dieses Verhalten zeigt könnte das auf ein anderes, Wettermäßig extremeres Herkunftsgebiet von Semjon deuten und das Verhalten instinktiv gesteuert sein.

verdächtige Stelle

Semjons Schlafhöhle

wenige Minuten nach dem öffnen des Ganges

nach 6 Wochen unter Tage

Messung

nach der Wäsche im Emysteich

Im übrigen war Semjon 2006 der letzte der alteingesessenen Russen der zur Ruhe gekommen ist.

Ich appelliere an jeden Testudo horsfieldii-Halter seine Tiere täglich im Auge zu behalten. Diese Schildkröten sind  unwarscheinlich grabaktiv und nicht selten sind solche Tiere schon entkommen oder mussten gezwungenermaßen im Gehege überwintern da man sie nicht mehr fand. Wenn die Beschaffenheit des Substrates zum graben geeignet ist und kein Wasser von unten das Tier erreichen kann bestehen gute Chancen das es überlebt.

Aufgrund des riesigen Verbreitungsgebietes und derer verschiedenen Klimaten ist anzunehmen das Abweichungen im Verhalten bei der Sommerruhe und auch bei der Winterstarre von Testudo horsfieldii vorkommen. 

Testudo horsfieldii

 Winterstarre

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