Jungtiere

Jungtiere der europäischen Landschildkröten (Testudo hermanni, Testudo graeca, Testudo marginata) benötigen ähnliche Klimabedingungen wie die semiadulten- und adulten Tiere dieser Arten. Bedingt durch ihre Lebensstrategie und durch die, wegen ihres geringen Körpervolumens, Anfälligkeit gegen Temperaturschwankungen leben sie in den ersten Lebensjahren sehr versteckt in der Krautschicht der Legehabitate. Daher müssen permanent feuchte Stellen zum eingraben, Trink- und Badegelegenheiten sowie Sonnen- und Versteckplätze zur Verfügung stehen. Bitte beachten Sie dies beim Bau der Gehege für Jungtiere. Fehlende Schattenplätze oder Trinkgelegenheiten können den Tod für die Kleinen bedeuten. Die Nahrung für juvenile Schildkröten entspricht der von Adulten. 

Jungtiere der asiatischen Steppenschildkröte (Testudo  horsfieldii) auch unter den Bezeichnungen Vierzehenschildkröte oder russische Landschildkröte bekannt benötigen, wie adulte Tiere dieser Art auch, trockene Böden. Sind die Bodensubstrate zu feucht kann es bei dieser Art zu gefährlichen Panzernekrosen kommen. Versteckplätze in Form von Ästen, Korkrinde und Pflanzendickicht sowie Trinkgelegenheiten müssen aber auch diesen Tieren zur Verfügung stehen. Die Temperatur- und Nahrungsansprüche ähneln denen der Europäer. Es ist zu bedenken das viele Testudo horsfieldii eine Sommerruhe halten.

Schildkröten sind wechselwarme Tiere und regeln ihre Körpertemperatur über die Wärmeeinstrahlung der Sonne und die kühleren Rückzugszonen von schattigen Bereichen wie Höhlen oder Buschwerk. Dementsprechend müssen all diese verschiedenen Bedingungen sowohl im Freigehege wie auch in einem möglichen Übergangsterrarium, vor und nach der Winterstarre, vom Schildkrötenhalter geschaffen werden.

   

10 jährig Testudo hermanni boettgeri ...

....bei der Eiablage, hier außerhalb der eigentlich dafür bestimmten Eiablagehügel. Im blanken, verdichteten Kalkgestein hätte sie keine Chance zum graben, an der Nahtstelle zu einem Futterpflanzenareal mit nur kleien Kalksteinstücken geht das. Je mehr solche Chancen für die Tiere bestehen um so schwieriger wird es die Eier zu finden.

 .....nach der Eiablage

... waren faktisch keine Spuren des vorangegangenen Schauspiels zu sehen. In Extremsommern können sich auch bei uns Schlüpflinge entwickeln, in der Regel sterben die Gelege auf Grund der niedrigen Temperaturen und des erhöhten Wassereinbruches, bedingt durch unser Klima, ab. Meines erachtens sollten alle Gelege geborgen- um entweder ausgebrütet oder vernichtet zu werden. Andernfalls können schon weit entwickelte Embryos z.B. durch Schlechtwetterperioden qualvoll zu Grunde gehen.

 

4 Eier...

waren es bei dieser Ablage.  Die Gelegegrößen unserer Griechen bestehen in der Regel aus 3 bis 11 Eiern. Es ist, nicht nur nach unseren Beobachtungen zu Folge, noch zu sagen das Stellen neben dem ein Pflanzenbewuchs vorhanden ist als Eiablageplätze bevorzugt werden.

 

Testudo hermanni boettgeri Köpfchen

Nach 52 bis 65 Tagen (im Schnitt ca. 60 Tage) schlüpfen bei uns die jungen Griechen. Außnahmen von bis zu 80 Tagen hatten wir auch.Der Schlupf, vom ersten Sprung in der Eischale bis zum entweichen aus dem Ei dauert ca. 1 bis 2 Tage. Keinesfalls sollte man die Tiere aus dem Ei befreien da es schwierig ist den Entwicklungsstand des Embryos einzuschätzen. In der Regel ist der am Nabel vorhandene Dottersack beim Schlupf fast- oder vollständig resorbiert. Es gibt aber auch Fälle wo dieser noch Erbsengroß oder größer ist. In diesem Fall sollte der Schlüpfling noch im Inkubator oder einem anderen warmen, feuchten Behälter belassen werden. Günstig wäre es anhaftendes Brutsubstrat vorsichtig mit lauwarmen, am besten vorher abgekochten Wasser zu entfernen und das Tier dann auf feuchte Küchentücher zu setzen. Sollten Eier wärend der Inkubation Risse bekommen besteht die Möglichkeit diese mit Wachs oder ungiftigem Klebstoff zu verschließen. Andernfalls kann es z.B. zu Verpilzungen/ Fäulnis kommen. Ein häufiger Grund warum ( nur zum Teil oder nicht eingegrabene) Eier reißen sind große Temperatur- oder Feuchtigkeitsunterschiede zwischen Substrat und Luft. Als Substrat für unsere Landschildkröten hat sich eine sandige Erde bewährt. 

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T.h.boettgeri- einen Tag alter... 

....  Schlüpfling von Testudo hermanni boettgeri. In der Regel dauert es ein paar Tage bis die Kleinen fressen. Tieren welche noch einen Dottersack besitzen ernähren sich, bis er resorbiert ist, von diesem. Wir hatten aber auch eine kleine T.h.boettgeri welche ein Stück Kleeblatt, noch aus dem Ei schauend, fraß. 

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T.h. boettgeri einen Tag alt

Insofern der Dottersack eingezogen und der Nabel "trocken" ist, können die Kleinen gleich ins Freigehege. Wichtig ist, außer Schattenplätzen, welche durch Pflanzen oder z.B. Korkrindenhöhlen geschaffen werden, einem Schutzhaus und einer Absicherung von oben (z.B. Drahtgeflecht), auch ein griffiger Untergund. Es kommt öfter vor das kleine Schildkröten beim Klettern auf den Rücken fallen. Jetzt ist es wichtig das für die Kleinen der Untergrund durch Steine, Pflanzen oder z.B. Reisig griffig gemacht wird. Ein gesunder Schlüpfling kann sich durch solche Hilfsmittel  von selber wieder umdrehen.  

  

T.h. boettgeri 1jährig

Nach einem Jahr sollte sich das Gewicht der Schlüpflinge ca. verdoppelt bis max. verdreifacht haben. Es ist unbedingt darauf zu achten das die Tiere langsam aber stetig wachsen. Ausgenommen ist hiervon natürlich die Winterstarre. 

 

Thb- 2jährig

Die selben Tiere noch ein Jahr später. Die Wachstumsgeschwindigkeit sollte sich von Jahr zu Jahr verringern. Ein festes Schema ist hierbei aber schlecht zu finden da unterschiedlichste Faktoren diese bestimmen.

Thb- 3jährig

Nochmals 1 Jahr später die selben beiden Tiere.

Thb knapp 5jährig

die Beiden wiegen jetzt 260 bzw. 230g und sind wie erhofft Weibchen

junge Testudo hermanni boettgeri in der Winterstarre 

Das ca. 1,5 jahre alte Testudo hermanni boettgeri Jungtier unter einem ( fürs Foto von mir angehobenen) Grasbüschel im Gewächshaus. Europäische Landschildkröten sollten schon im ersten Winter eine Starre durchführen dürfen. Wird ihnen das verwehrt wachsen die Tiere in der Regel durch unnatürliche Terrarienhaltung zu schnell. Dies kann wiederum zu schweren Erkrankungen wie Organproblemen führen. Vorbild für die Haltung , auch von jungen Landschildkröten sollte immer der natürliche Lebensraum sein. Zu beachten ist in dieser Hinsicht auch das viele wild lebende Schildkrötenpopulationen keinen natürlichen Lebensraum mehr besitzen da der Mensch diesen in Kulturlandschaften mit allen Nebenprodukten wie z.B. Müllhalten verwandelt hat.

 

Testudo hermanni boettgeri Jungtier beim sonnen

Das gleiche Tier wie in der vorherigen Abbildung im Frühling. Alle unsere Schildkröten haben die Möglichkeit sich, z.B. bei ungünstiger Witterung oder Nachts, in ein beheizbares Frühbeet oder Gewächhaus zurückzuziehen. Man sollte sich auch immer vor Augen führen welche klimatischen Verhältnisse die Tiere benötigen und hier unbedingt den Ansprüchen der Schildkröten Rechnung tragen. Z.B. wäre es in meinen Augen unverantwortlich Tiere in der Übergangszeit im Freiland zu belassen wenn Bodenfrost angesagt ist.

 

1jährige T.marginata beim baden

Ein Streitpunkt unter Schildkrötenhaltern/-züchtern ist immer wieder das Thema Baden. Wärend die einen sagen die Tiere baden bei Bedarf von selbst, Badestellen vorausgesetzt, sagen die anderen das dies in Gefangenschaftshaltung  nicht zwangsläufig so sein muß. Erstere meinen häufig das die Darmflora gestört werden kann und die Tiere durch Zwangsbaden stark unter Streß stehen, letztere meinen z.B. das über das Futter aufgenommene schädliche Substanzen hauptsächlich durch baden über die Nieren wieder ausgeschwemmt werden können und bei einem ungenügenden Wasserhaushalt Höckerbildung eine Rolle spielt. All unseren Tieren stehen permanent Trink- und Badestellen zur Verfügung.Unsere Jungtiere werden nach der Winterstarre 2...3 mal gebaden, ansonsten sporadisch, also eher selten. Sobald Anzeichen von Streß entstehen, man merkt deutlich wenn ein Tier nicht mehr mag, setzen wir sie wieder aufs Trockene. Letztendlich muß hier jeder Halter selbst entscheiden was er macht. Eine Patentlösung gibt es für größere Gruppen sicher nicht, für einzelne oder wenige zusammengehaltene Tiere kann man bei genauer Beobachtung evt. Prioritäten setzen.

 

juvenile T.marginata im Freigehege

1jährige Testudo marginata erkundet ihr Freigehege. Wenn die Tiere weitgehend ungestört den Tag verbringen kann man ihr natürliches Fluchtverhalten beobachten, in dem sie durch Wahrnehmung von einer Gefahr (also z.B. durch meine Annäherung) ins Pflanzendickicht oder unter Korkröhren flüchten. Zumeist sind die Tiere aber leider so an den Menschen gewöhnt das sie in ihm keine Gefahr sehen sondern eher den Finger als Beute fressen wollen.

2,5 jahre alte Testudo marginata

Das Tier sonnt sich nach der Winterstarre auf einem Stück Baumstamm. Es muß nicht immer die, zugegebenermaßen toll geeignete, Korkrinde sein. Auch Äste, Wurzeln und Stämme oder Stücke von diesen eignen sich gut als Versteck-, Kletter- und Sonnenplätze. Es ist darauf zu achten das ungiftige Gehölze wie die von Obstbäumen, Weide, Haselnuss, Weißdorn, Buche, Birke, Linde u.s.w. eingesetzt werden.

knapp 5 jährige Testudo marginata

Ausschnitt aus dem Freigehege für junge Breitrandschildkröten

knapp 1 jährige Testudo graeca ibera


knapp 1 jährige Testudo graeca ibera im Freigehege

gleiche Tiere mit knapp 3 Jahren

Diese Unterart der Maurischen Landschildkröte kann gehalten werden wie die Griechische Landschildkröte. Voraussetzung sind auch hier ein Freigehege mit frei zugänglichen Frühbeet oder Gewächshaus um auch in kühleren Perioden den Tieren das erreichen ihrer Vorzugstemperatur von ca. 25 -32°C zu gewährleisten. In ungünstigen Klimalagen kommt man dann nicht umhin in den Übergangszeiten im Herbst und Frühjahr evt. zuzuheizen bzw. Wärmelampen einzusetzen.

Testudo horsfieldii- Eiablage

Zumeist viel versteckter als Griechische Landschildkröten legen bei uns die Vierzehenschildkröten ihre Eier ab. Für einen Grasbüschel im Frühbeet hat sich dieses Tier entschieden.

...danach

.....die Stelle nach der Ablage. Neben normaler, sandiger Gartenerde wurden auch Kalksteine aus der näheren, mit den Hinterbeinen erreichbaren Umgebung zum schließen der Eigrube verwendet.

...3 von 5 Eiern

Fünf Eier hat das Tier als Zweitgelege abgelegt. Im ersten vor 3 Wochen waren es zwei. Die Jungtiere (2) aus dem Erstgelege sind Anfang Juli 2007 geschlüpft. Unsere T.horsfieldii legen immer zwischen 2 und 5 Eiern ab. Einzige Ausnahme war einmal nur 1, allerdings extrem langes Ei mit zwei Dottern, aus dem sich aber nichts entwickelte.

ein Schlüpfling von 2006 ...

... und all unsere anderen Nachzuchten von T.horsfieldii haben die Eischale bisher immer in der Mitte  der Längsrichtung des Eies durchstoßen.

T. horsfieldii Nachzucht 2007

Grund dafür ist das diese Tiere sozusagen in Querrichtung im Ei liegen. T.horsfieldii sind nach dem Schlupf breiter als lang.

ca. 65 Tage nach der Eiablage

Im Schnitt benötigen unsere Russen ca. 1,5 Tage, wie die Griechen auch, ab dem sie die Eischale mit dem Eizahn durchstoßen haben bis zum entgültigen Schlupf.

Dieses Tier hat sich kurz vor dem Schlupf im Ei gedreht. Deutlich ist die, für Testudo horsfieldii typische extreme Faltung zu erkennen. Nach dem Schlupf dauert es wenige Stunden bist die Schildkroete völlig gestreckt ist.

Haben es die kleinen dann endlich  geschafft, verkriechen sie sich häufig unter der eigenen  Eischale. Aber auch tief ins Substrat gewühlte Tiere haben wir schon aus dem Inkubator geholt.

Anfang Juli sind die ersten beiden Russen des Jahres 2007 geschlüpft. Das Gewicht lag jeweils bei ca. 15 Gramm.

Wie bei Testudo hermanni dauert es zumeist einige Tage bis die Tiere erste Nahrung zu sich nehmen.

Wenige Wochen nach dem Schlupf sind deutliche Wachstumsstreifen an den Schildernähten zu erkennen.

In der Regel setzen wir unsere Jungtiere ca. eine Woche nach dem Schlupf ins Freigehege. Hier müssen ein beheizbares Frühbeet oder Gewächshaus, Schatten- und Sonnenplätze, Wasserschalen und Verkriechplätze im Schutzhaus für die Nacht zur Verfügung stehen. Wichtig ist auch das keine natürlichen Prädatoren wie Rabenvögel, Marderartige, Ratten u.s.w. aber auch keine Haustiere wie Hunde und Katzen ins Gehege  gelangen können. Den besten schutz bieten Drahtgeflechte und feinmaschige, stabile Netze.

Jungtiere werden nicht anders als Alttiere ernährt. Wichtig ist ballaststoffreiches Futter mit einem sehr guten Kalzium-/Phosphorverhältnis. Zur zusätzlichen Kalkversorgung sind z.B. Sepiaschale oder ganz fein gemahlene Eierschalen geeignet.

FOTOGALERIE

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