Naturbrut

Es geschah am 25.09.2007, als wir eine große Überraschung erlebten. Während der Fütterung unserer adulten Testudo hermanni boettgeri im Gewächshaus, fanden wir unverhofft erst eine, dann noch drei frisch geschlüpfte Schildkröten.
Während bei zwei Tieren der Dottersack bereits vollständig resorbiert war, konnte man bei den anderen Beiden noch deutliche Reste erkennen. Ein weiterer Unterschied zeigte sich im Gewicht. So wogen die Zwei mit Dottersackresten nur 4g bzw. 5g, die beiden Anderen 9g bzw. 10g. Die Kleineren weisen im hinterem Bereich des Carapax Schilderanomalien auf. Nach näherer Betrachtung der Eiablagegrube waren Reste von nur drei Eiern zu finden. Wahrscheinlich handelt es sich bei den zwei letzt genannten Tieren um Zwillinge.

letztgeschlüpftes und zugleich kleinstes Tier.  Dieses hat im vorderen Carapaxbereich einen etwas ungewöhnlichen Knick.

Die Stelle an der sich die Eigrube befand, wurde täglich mehrmals von uns betreten. Das Erdreich war extrem verfestigt. An heißen Tagen ist unser Gewächshausboden regelrecht eingeschwemmt worden, wobei eine gute Drainage schnelles Ablaufen des Wassers gewährleistete. Es bleibt festzuhalten, dass das Gelege während der Inkubation unkontinuierlich sowohl großer Trockenheit, als auch extremer Feuchtigkeit ausgesetzt war. Am Schlupftag lagen die Lufttemperaturen im Gewächshaus unter 20°C, Tags zuvor sind bei Sonnenschein Lufttemperaturen von ca. 35°C erreicht worden. Das Substrat befand sich in einem sehr trockenem und festem Zustand. Es war unmöglich mit bloßen Händen zu graben. Entdeckt hatten wir zunächst nur ein Tier, welches gerade die Eiablagegrube verlies (Bild). Nach näheren suchen fanden wir ca. ein Meter vom Schlupfort entfernt drei weitere Tiere. Alle Drei saßen in diesem ca.6m² großen, abgetrennten  Gewächshausabteil unmittelbar zusammen. Zur Beobachtung hatten wir die Kleinen zunächst in ein Zimmerterrarium überführt. Alle Vier haben noch am ersten Tag gefressen. Das ist ein mit großer Warscheinlichkeit ein Indiz dafür, dass der tatsächliche Schlupf schon einige Tage zurücklag. Im Inkubator geschlüpfte Tiere, welche diesem gleich entnommen werden, fressen häufig erst nach ein paar Tagen.

Nachdem ich die Kamera gezückt hatte war klar das die Großen auch mit aufs Bild wollten. Das Bild ist wirklich nicht "gestellt".

Eine Woche nach dem Schlupf sind die Kleinen wieder in das Gewächshaus mit angrenzenden Freigehege eingezogen. Hier werden sie sich in natürlicher Weise auf die Winterstarre einstellen. Zur Zeit sind alle Vier noch sehr aktiv und fressen auch noch gut. Zur Unterscheidung zu unseren anderen Testudo h.boettgeri Schlüpflingen haben wir sie auf den Carapax-Schildern speziell markiert. Wir haben festgestellt das eben diese Vier und die erst kürzlich geschlüpften "Bücherregalschlüpflinge" (ein kurzer Bericht im Anschluß an diesen Beitrag folgt demnächst) die z.Z. aktivsten Thb aus der Nachzucht von 2007 sind.

Ablageplatz ca. 1 Monat vor dem Schlupf

Es bleibt Anzumerken das trotz des recht kühlen und sonnenarmen Sommer2007 in Mitteldeutschland Jungtiere von Thb , Bulgarischer Herkunft, im ungeheizten Gewächshaus (6mm² Doppelstegplatten) unbeabsichtigt zum Schlupf kamen.

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