Testudo hermanni (Gmelin 1789)-Griechische Landschildkröte

Testudo hermanni boettgeri, die östliche Unterart der Griechischen Landschildkröte

Beschreibung

Testudo hermanni, die Griechische Landschildkröte, wird Momentan in 2 Unterarten unterteilt. Zum einen ist dies die westliche Unterart Testudo hermanni hermanni welche als Nominatform beschrieben ist uns als zweite Unterart die Testudo hermanni boettgeri, welche auch als östliche Unterart bezeichnet wird. Die Begriffe Ost- und Westrasse welche man zum Teil auch noch auf recht renomierten Internetseiten findet sind abzulehnen da  es sich bei diesem Begriff um Zuchtformen handelt und in keinster Weise mit in der Natur entstandenen Lokalformen bis hin zu Unterarten in Verbindung zu bringen sind!

Wärend erstere Unterart einen relativ einheitlichen Habitus besitzt und genetisch recht homogen ist, sind bei der Testudo hermanni boettgeri sowohl habituell als auch genetisch  verschiedene Varianten zu unterscheiden. Speziell wurde in den letzten Jahren immer wieder versucht den Dalmatinischen Tieren einen Unterart-, ja sogar Artstatus  anzuerkennen. (Testudo (hermanni) hercegovinensis) Genetischen Untersuchungen zu Folge sind da aber einige spezialisierte Biologen anderer Meinung und sehen diese Variante lediglich als Lokalform der Testudo hermanni boettgeri an. Weitere Untersuchungen zur Klärung  hinsichtlich ihrer zB nomenklatorischen Zugehörigkeit, und dies gilt auch für andere Lokalformen, sind in Zukunft zu erwarten.

Testudo hermanni erreicht in der Regel eine Panzerlänge von ca. 20cm und ein Gewicht von ca. 2 kg, wobei männliche Tiere  kleiner bleiben. Auch von der Nominatform wird diese Größe eher selten erreicht. In menschlicher Obhut, und vor allem durch falsche Haltung mit einem zu proteinhaltigen Futterangebot aufgezogene Tiere können wesentlich größer werden. Tiere mit 30cm Panzerlänge und bis zu 4,5kg Gewicht sind bekannt.

Die Färbung des Panzers variiert mit gelb-/orangenen Farbtönen mit schwarzen Flecken,m zT auch verwaschen bis hin zu einfarbigen Zeichnungen von zB rein gelb bis hin zu fast schwarz.  Die Färbung kann sich im laufe des Schildkrötenlebens doch erheblich sowohl in Richtung Dunkel als auch Hell ändern. In Terrarien gehaltene Tiere weisen sehr oft unnatürliche Farben auf. Hier gibt es zumeist einen starken Kontrast von schwarz auf weiß, also kaum gelb, welches der Norm in Freilandhaltung gehaltener- und in der Natur angetroffener Tiere entspräche.

T.hermanni hermanni Toskana (im Habitat)

Verbreitung/Habitat

Das Verbreitungsgebiet dieser Art erstreckt sich im Osten von Nordost-Spanien über die Mittelmeerländer Frankreich, Italien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien-Montenegro, Mazedonien, Albanien, Griechenland bis hin zu den Schwarzmeerländern Bulgarien, (Süd)-Rumänien und (westl.) Türkei. Auch auf verschiedenen Mittelmeerinseln, u.a. Korsika, Sardinien und Sizilien ist T.hermanni heimisch. Die Art besitzt zwei Unterarten, Testudo hermanni hermanni, die Nominatform, wird als westliche Unterart-  und Testudo hermanni boettgeri als östliche Unterart bezeichnet. Die als Testudo hercegovinensis jüngst beschriebene Art (ehem. Testudo graeca hercegovinensis), von einigen Autoren auch als Testudo hermanni hercegovinensis bezeichnet, stellt m.E. nur eine Lokalform von Testudo hermanni boettgeri dar. Testudo hermanni boettgeri ist, im Gegensatz zu Testudo hermanni hermanni, sowohl genetisch als auch in ihrem Habitus recht variabel. Eine auffällig abweichende Population mit sehr kleinen, farbintensiven Tieren ist im Süden der Peloponnese Halbinsel in Griechenland zu finden.
Im Habitat werden Hügellandschaften mit lockerer bis dichter Buschvegetation und lichte Wälder besiedelt. Aber auch in Kulturland wie Weinbergen, Plantagen oder Feldrainen können Schildkröten vorkommen. Dies sind dann Reliktbestände aus ehemals intakten Populationen. Durch die fortschreitende Urbarmachung wie z.B. Siedlungsbau, touristische Erschließungen, Straßenbau und Rodungen um Ackerland zu gewinnen werden durch den Menschen  immer mehr Populationen ausgelöscht.

8jähriges Testudo hermanni boettgeri-Weibchen mit 650g

Haltung

Griechische Landschildkröten sollten ausschließlich mit faserreichen, eiweisarmen Kräutern ernährt werden, welche im Hochsommer gemäß der heimatlichen Bedingungen günstigerweise trocken sein sollten. Gelegentlich kommt es vor das die Tiere auch einmal eine Nacktschnecke, einen Regenwurm oder sonstiges, auch totes, Getier fressen. Dies stellt, insofern das eher selten passiert kein Problem dar. Anders verhält sich das wenn permanent solche Futterquellen zur Verfügung stehen, da hier durch die vermehrte Aufnahme von tierischen Proteinen ein zu schnelles Wachstum mit u.U. gesundheitlichen Problemen auftreten können. Frisches Wasser und  Kalk in Form von zB Sepiaschulp, Seealgengrit oder gekochten Eierschalen müssen immer zur Verfügung stehen. (siehe unter Futter )

Wenige Wochen altes Jungtier im Gewächshaus. Nach einem simulierten Regenguß mit der Gießkanne kam es aus seinem Versteck.

Einjährige Jungtiere im Gewächshaus. Das Innengehege sollte genau wie das Außengehege gut strukturiert sein, Sonnenplätze, Unterschlüpfe, größere Steine oder Stämme, Hügel und eine Wasserstelle enthalten.

 

7 jährige Testudo hermanni boettgeri Weibchen

Die Griechischen Landschildkröten lieben  warme Regengüsse, welche durchaus auch einmal mit der Gießkanne simuliert werden können. Es ist wichtig das den Tieren feuchte Stellen zum kompletten Eingraben und eine Nachbildung der Krautschicht aus dem Habitat zur Verfügung stehen um ein möglichst naturnahes Aufwachsen zu ermöglichen. Bei einer zu trockenen Haltung soll das Höckerwachstum, genau wie bei einer zu gehaltvollen Ernährung oder UV- Lichtmangel, gefördert werden. W.Wegehaupt sieht einen der Hauptgründe für eine starke Höckerbildung der Tiere in unseren Gehegen in einem ungenügenden Wasserhaushalt.

Adultes Testudo hermanni boettgeri Weibchen im Schutz von Buschwerk. Bei der Anlage von Freigehegen müssen unbedingt genügend Versteckmöglichkeiten geschaffen werden um den Tieren ein "sicheres Gefühl" zu geben und Schutz vor praller Sonne zu bieten.

Einmonatiges Jungtier im Gewächhaus. Noch viel versteckter als die Adulten leben in den ersten Lebensjahren die Jungtiere. Es müssen feuchte Unterschlüpfe geboten werden in denen sich die Tiere komplett vergraben können. Dies ist wichtig da gerade griechische Landschildkröten mehr noch als Beispielsweise Maurische Landschildkröten oder  Breitrandschildkröten zur Höckerbildung des Rückenpanzers neigen. Für solche Versteckplätze haben sich Moose und/ oder hartlaubige Blätter mit lockerer Gartenerde gut bewährt.

Das Bodensubstrat des Geheges sollte aus magerer Erde (z.B. mit feinem Sand vermischt), Kalksteinschotter oder Kies bestehen. Grashorste und buschige, ungiftige Pflanzen wie Lavendel, Rosmarien oder Salbei sind als Versteckmöglichkeiten gut geeignet. Auch größere Steine und Baumstämme sollten im Gehege nicht fehlen.

In den Nächten und bei kühler Witterung suchen die meisten Tiere freiwillig das Gewächshaus auf um sich dort in den Unterschlüpfen zu verkriechen.

Rechts: 10jähriges Testudo hermanni boettgeri Weibchen vor dem Unterschlupf im Gewächshaus, welcher hier aus einem auf 2 Baumstammabschnitten gelegtem Brett besteht und mit lockerer Gartenerde verfüllt ist. Zusätzlich zur Erde eignet sich im Unterschlupf am besten hartes Laub wie das der  Buche oder Eiche. Auch Sphagnummoos ist sehr gut für die Unterschlüpfe geeignet. Stroh kann man zur Not auch verwenden, wärend Grasheu, wie abgebildet, auf dem feuchten Substrat zu schnell schimmelt.

Je nach Herkunft  benötigen T.hermanni eine  Winterstarre von ca. Drei bis Fünfeinhalb Monaten. Die Temperatur sollte dabei konstand bei ca. 5°C liegen. Vor allem in den südlichen Habitaten der Testudo hermanni trifft man auch im Winter, bei schönem Wetter, gelegentlich auf wache, sogar fressende Tiere. Die dortigen Klimaverhältnisse lassen sich jedoch in unseren Haltungen nur schlecht und mit hohem Energieaufwand simulieren und somit ist  die ununterbrochene Starre über einen gewissen Zeitraum erfahrungsgemäß die Beste in unsererem Klima. ( siehe Winterstarre )

Wir halten und züchten Tiere der östlichen Unterart (T.H.boettgeri) aus Bulgarien,  die Aufgrund der in der Heimat herrschenden Klimaverhältnisse von allen Mediterranen Landschildkröten mit unserem Klima am besten zurechtkommen.Schutzhütten in Form von Frühbeeten oder Gewächshäusern sind bei der Haltung dieser Tiere unbedingt erforderlich. Alle mediterranen Landschildkröten müssen in der warmen Jahreszeit in einer Freilandanlage gehalten werden, da nur diese Haltung annähernd artgerecht ist.

Unsere letztjährigen Jungtiere halten wir nach der Winterstarre je nach Witterung für ca. 8 Wochen in einem Übergangsterrarium. (Siehe unter Winterstarre ) Auf Grund ihres noch geringen Körpervolumens reagieren sie auf Temperatureinflüsse wesentlich schneller als ihre massigeren Artgenossen. Bei im Frühbeet/ Gewächshaus installierter Technik (UV- und Wärmelampe, Heizung für die Nacht) ist es in den meisten Gegenden Deutschlands natürlich möglich die Kleinen nach der Starre dort zu halten.

Ausschnitt aus einem Übergangsterrarium für ca. 8 Monatige Testudo hermanni boettgeri . Leicht feuchte Versteck-/ Schlafplätze unter Pflanzen, Korkröhren ... Wasserschale, Wärme- und UVB Lampe und Steine welche zur Abnutzung der Krallen dienen sind unverzichtlich genau wie eine artgerechte Ernährung mit Wiesenkräutern.

 2100g schweres adultes Testudo hermanni boettgeri Mädel, rechts gleiches Tier bei der Eiablage

 

Links: Nach der Eiablage wird die Grube wieder verschlossen. Es ist oft schwierig zu erkennen wo die Eier abgelegt wurden, da die Weibchen versuchen möglichst keine Spuren zu hinterlassen. Bedeckt man jedoch die obere Schicht des Eiablagehügels mit andersfarbenen Substrat, vermischt sich dieses mit dem darunter befindlichen und der Ablageort ist entlarvt.

Rechts: ca. 60 Tage später ... Schlupf von Testudo hermanni boettgeri

Links: Nach dem Schlupf verkriechen sich die Jungtiere häufig unter den Eierschalen oder Graben sich im Substrat des Inkubators ein. Spätestens nach 2 Tagen werden alle Schlüpflinge dem Brutbehälter entnommen. Lediglich Jungtiere welche den Dottersack noch nicht vollständig resorbiert haben bleiben im Behälter. Dies ist bei Griechischen Landschildkröten eher eine Seltenheit und deutet auf evt. Fehler bei der Inkubation hin.

Rechts: Eines der Nachzuchttiere von T.hermanni boettgeri aus dem Jahr 2006. Mit gerade einmal 10g gehörte es zu den kleinsten und leichtesten. Mutter (ca.950g) und Vater (ca.620g) sind erstmalig mit jeweils 10 Jahren Eltern geworden. Die Aufnahme entstand unmittelbar nachdem das Tier aus dem Inkubator, in dessen  Substrat es sich eingegraben hatte,  entnommen wurde.

Links: Ein erster Wachstumsrand ist bei Jungtieren nach wenigen Wochen schon zu erkennen.

Rechts: Einen mitentscheidenden Grund für Panzeranomalien stellt eine hohe Temperatur bei der Inkubation der Eier dar. Diese Tiere haben, insofern es sich um Anomalien der Panzerschilde handelt, keinen gesundheitlichen Nachteil gegenüber ihren "normalen" Artgenossen.

Eine Aufzucht im Freigehege, sparsame Fütterung mit Wildkräutern, immer vorhandene Trink- und Badestellen sowie eine mehrmonatige Winterstarre sind Voraussetzung das Testudo hermanni schön langsam und gesund heranwächst. Das abgebildete Tier ist 3 Jahre alt. 

In den Gehegen integrierte größere Steine werden gerne zum Sonnen genutzt. Die Steine funkieren als Wärmespeicher und geben, selbst wenn es kühler ist, nach Sonnenbestrahlung Wärme an die Umgebung ab.

Nachdem die Schildkröten Morgens erwacht sind sonnen sie sich noch eine Weile im Gewächshaus um dann, häufig zu mehreren, ins Freigehege zur Futtersuche zu wandern. Auf der Abbildung ist ein über 40 Jahre altes Weibchen zu sehen.

Links: Europäischen Landschildkröten müssen permanent Wasserstellen zum Trinken und Baden zur Verfügung stehen. Hierfür eignen sich z.B. glasierte Tonuntersetzer. Die Tiere müssen die Gefäße problemlos wieder verlassen können. Das Wasser ist täglich, besser noch öfter zu wechseln da Schildkröten in diesen Wasserstellen gerne ihr Geschäft erledigen.

Rechts: Sepiaschale dient zur zusätzlichen Kalkversorgung und sollte immer, jedoch seperat zum Futter, zur Verfügung stehen. Man kann natürlich anstatt von Sepia z.B. abgekochte Eierschalen anbieten.

Links: Die Tiere liegen gern am Rand von einer Deckung, welche hier aus Lavendelbüschen besteht.Wird es ihnen zu heiß ziehen sie sich in deren lichten Schatten zurück.

Rechts: Genausogern wie mediterrane Kräuterbüsche werden auch Grashorste oder wie hier einfach nur etwas höher gewachsenes Gras als Deckung angenommen.

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