Übergangsterrarium

In klimatisch ungünstigen Gebieten oder in Anlagen welche mit Frühbeeten / Gewächshäusern ohne Heizmöglichkeiten ausgestattet sind  kann es unter Umständen notwendig werden in den Übergangszeiten, vornehmlich nach der Winterstarre, Europäische Landschildkröten in einem entsprechend Artgerecht eingerichteten Terrarium unterzubringen. Die Größe dieses Terrariums richtet sich nach der Größe und der Anzahl der Tiere. Wärend z.B.  für mehrere junge Landschildkröten aus letztem Schlupf in gut strukturierten Behältern eine Grundfläche von ca. 0,5 bis 1 Quadratmeter ausreicht benötigt man für erwachsene Tiere eher ein Zimmerterrarium mit mehreren Quadratmetern Fläche. Evt. müssen bei Unverträglichkeiten Schildkröten getrennt und in weitere Terrarien verbracht werden.

wie das Freigehege sollte auch das Zimmerterrarium gut strukturiert sein

Meine halbjährigen Nachzuchten werden, je nach Wetterlage im Frühling, nach der Winterstarre von Mitte/Ende Februar bis ca. April im Übergangsterrarium gehalten. Das Terrarium sollte sehr hell an einem Ost-,Süd- oder Westfenster mit zusätzlicher Beleuchtung,  ansonsten (dunklere Aufstellorte) unbedingt mit einer ausreichend dimensionierten Halogenmetalldampflampe zur Grundbeleuchtung, aufgestellt sein. Ein solches Terrarium ist nicht mit den im Zoohandel zu erwerbenden Schiebetürenterrarien zu vergleichen. Diese überhitzen viel zu schnell und eine Temperaturstaffelung, welche für Europäische Landschildkröten notwendig ist, wäre nur in sehr großen Behältern gegeben. Sollte man dennoch ein solches Terrarium verwenden muß unbedingt für ausreichend Lüftung gesorgt werden. Evt. müssen die Schiebetüren offen bleiben und eine zusätzliche Absperrung vor die aufgeschobenen Türen eingebaut werden. Glasterrarien müssen da wo die Schildkröten hindurchsehen können abgeklebt werden. Die Tiere erkennen die Scheibe nicht als Hindernis und versuchen permanent durchs Glas zu gehen.

Flache leicht gekrümmte Korkröhren eignen sich ausgezeichnet als Unterschlupf. Dadurch das sie auch überklettert werden können geht kein Platz im Terrarium verloren. Im Bild links unten hab ich die Korkröhre angehoben um die darunter schlummernden kleinen Testudo hermanni boettgeri zu zeigen.

Als Beleuchtung verwende ich z.B. bei meinen an einem Südfenster stehenden Terrarium für junge Testudo hermanni boettgeri eine 125 Watt  Mischlichtlampe welche sowohl ausreichend Wärme, als auch die notwendige UV-B Strahlung, welche die Vitamin D3 Synthese  ermöglicht, abgibt. Sehr gut, heller und noch Energieeffizienter sind spezielle Halogenmetalldampflampen neuester Generation welche auch UV-B Strahlung im ausreichenden Maß abgeben. Ansonsten auch Halogenmetalldampflampen in Kombination mit der bewährten Osram Vitalux. Letztere braucht pro Tag nur für ca. 30 bis 60 Minuten eingeschalten sein. Da alle UV Lampen im Laufe der Zeit ihre UV Abgabe verlieren müssen die Leuchtmittel nach der entsprechenden Zeit erneuert werden. Sollten unter der Wärmelampe keine 35°C erreicht werden ist es u.U. nötig eine zusätzliche Glühlampe anzubringen. Die Lampen können z.B. an Ketten von der Decke abgehangen werden. So kann man gegebenenfalls auch mit der Höhe besser jonglieren um die optimale Ausleuchtung und Wärme zu erzielen. Ansonsten ist es aber auch möglich z.B. Klemmspots an Stellagen anzubringen. Wichtig ist das Alles sicher aufgebaut ist und das die elektrische Ausrüstung den DIN Vorschriften entspricht. Generell sind bei Lampen mit höheren Leistungen Porzellanfassungen zu verwenden. Da Halogenmetalldampflampen durch das Vorschaltgerät mit Hochspannung betrieben werden ist bei Sets mit externen Bauteilen unbedingt auf gute Isolierung und die Herstellerangaben zu achten.

die Kleinen liegen gerne im lichten Schatten der Grasoden

Die Grundtemperatur sollte während der Übergangszeit nach der Winterstarre im Terrarium  bei ca. 15 bis 20°C liegen, unter dem Wärmestrahler 35 bis 40°C. Legt man sich die oben erwähnten Mischlichtlampen  zu, kann man auf einen zusätzlichen Wärmestrahler verzichten. Das ist zumeist auch bei den oben erwähnten Halogenmetalldampflampen möglich, so daß man hier nur eine einzige Lampe für Grundausleuchtung, UV-Strahlung und Wärmestrahlung bräuchte. Wieviel Wärme und UV Licht unten ankommt hängt von der Leistung der Lampe und deren Abstrahlwinkel ab. Die Mindestabstände welche in der Gebrauchsanweisung beschrieben werden müssen eingehalten werden. Bei jungen Schildkröten halte ich Temperaturen von mehr als 40°C unter der Lampe für sehr gefährlich. Mir selber ist es vor ein paar Jahren passiert das ein Jungtier unter der Lampe auf den Rücken gefallen ist, sich nicht mehr umdrehen konnte und so regelrecht zerkocht ist. Von daher halte ich es für unbedingt notwendig unter der Wärmelampe griffige, möglichst leicht abschüssige Steine  zu setzen um so gegebenenfalls der Schildkröte ein leichtes Umdrehen aus der Rückenlage zu ermöglichen.

Die Wasserstelle ist meistens sehr gut besucht und wie man auf dem rechten Bild sieht gibt es unter den Schildis, wie in unserer Ellenbogengesellschaft auch, Egoisten - eigentlich sind sie es alle ;-) . Da die Kleinen an der Wasserstelle gerne ihr Geschäft verrichten sollte hier besonders auf Hygiene geachtet werden.

Nachts sollte die Temperatur möglichst nicht länger unter 10°C fallen. Aber auch ständig zu hohe Grundtemperaturen (Tag und Nacht) sollten vermieden werden um den Stoffwechsel nicht permanent auf Hochtouren laufen zu lassen. Dies würde unter anderem im Endeffekt auch zu sehr schnellem, unnatürlichen Wachstum führen. Das Risiko von Erkrankungen steigt ebenfalls an. Wir müssen uns immer vor Augen halten welche Bedingungen die Tiere in der Natur vorfinden.

Etwas betröpfelt schaut diese Eineinhalbjährige Maurische Landschildkröte (Testudo graeca ibera) drein. Ich hatte sie mit leicht temperierten Wasser geduscht. Im Mittelmeergebiet geht im Frühjahr die Regenzeit zu Ende und Diese kann man in der Zeit nach der Winterstarre ruhig hin und wieder simulieren genau wie ca. 1 bis 2  mal in der Woche einen Schlechtwettertag wo die Beleuchtung reduziert wird, die Temperaturen ebenfalls und das Futter weggelassen wird. Dies macht man an solchen Tagen wo es auch Draußen regnerisch oder trübe ist. Positiver Effekt ist das der Stoffwechsel auch einmal etwas heruntergefahren ist und somit das Wachstum etwas gebremst wird.

Im Terrarium müssen feuchte Schlafbereiche welche mit Laub oder Moos abgedeckt werden vorhanden sein damit sich die Schildkröten  komplett vergraben können. Auch Grasbüschel mit feuchtem Wurzelwerk sind hierfür gut geeignet. Besonders gerne vergraben sich meine Tiere in einem Gemisch aus leicht feuchter Gartenerde und Sphagnummoos. Höhlen wie zB Korkröhren werden  bevorzugt angenommen. Dabei sollte man keine monumentalen Bauwerke erstellen, nein am liebsten mögen die Schildkröten Rückenkontakt zur Rinde.

Ausgestochene Wiesenstücke und Kalksteine dienen neben Gartenerde zur Grundausstattung des Terrariums. Das Ganze habe ich in einen Bett-Rollcontainer eingebracht. Wasserschale, Futterkalk, Korkröhre und Beleuchtung ... fertig. Die Beleuchtung hängt man idealerweise von der Decke ab, so daß man das Terrarium an schönen Frühlingstagen ohne größere Umstände, aber mit einem Schutz (z.B. Gitter) gegen Feinde versehen, auch mal raus stellen kann. Spitzwegerrich, Vogelmiere und Hornkraut findet man neben Weiteren auch im Winter und diese Pflanzen sind sehr gut als Futterpflanzen geeignet.

Eine Badeschale mit temperierten Wasser, eine Schale mit zerstoßenem Kalzium (z.B. Eierschale, Sepia, Seealgengrit u.s.w., auch untereinander vermischt) oder auch Sepiaschalen im Ganzen sowie eingesetzte Wiesenstücke mit Futterpflanzen und/oder Grasbüschel sind wichtige Bestandteile des Terrariums. Auch ungespritzte mediterrane Kräuter eignen sich sehr gut als Versteckpflanzen. Ob man Futterpflanzen ins Terrarium pflanzt oder separat zufüttert hängt auch von der Menge der Tiere bzw. von der Menge was an Futter gefressen wird ab. Bei nur wenigen Jungtieren haben sich solche Wiesenstücke bei mir gut bewährt. Sind die Pflanzen abgefressen setzt man ein neues Wiesenstück ein.

Spitzwegerrich (links) gehört zu den ganz beliebten Futterpflanzen. Hornkraut (rechts) wird zumeist erst gefressen wenn alles Andere aufgefuttert ist.

Stehen an winterlichen Tagen keine frischen Wiesenkräuter zur Verfügung kann man auch verschiedene Salate (Romanasalat, Endivien, Ruccola) oder, aber nicht so häufig, den im gesamten Winter verfügbaren Raps (Bild links) verfüttern. Zusätzlich zu vorgenannten Pflanzen sollten dann aber getrocknete Wiesenkräuter gegeben werden um den Tieren auch genügend Faserstoffe zur Verfügung zu stellen.

Ich verwende für meine europäische Landschildkröten und Asiatische Steppenschildkröten ein nach oben hin offenes Terrarium. Hier ist eine Temperaturstaffelung mit den nötigen verschiedenen Temperaturbereichen für die Übergangszeit nach der Winterstarre leichter zu realisieren als bei einem geschlossenen Terrarium. Allerdings trocknet dieses natürlich schneller aus als ein geschlossenes Terrarium. Es muß unbedingt auf eine stete Befeuchtung der Versteckplätze geachtet werden um den Schildkröten genügend Feuchtigkeit für ein glattes Wachstum des Rückenpanzers zu ermöglichen. Andererseits sind größere Trockenbereiche incl. dem Sonnenplatz notwendig. Ein offenes Terrarium kann zum Beispiel aus einem auf den Rücken gelegten und mit Teichfolie ausgekleideten Schrank, einer ebenso ausgekleideten Holzkiste oder, wie ich es mache, einen Rollbettkasten aus Kunststoff, leicht selber errichtet werden. Als Einstreu wird ungedüngte Gartenerde oder Maulwurferde verwendet. Diese wird fest angeddrückt um ein trittfestes gehen der Tiere zu ermöglichen. Dazwischen sollte es auch nicht an griffigen Steinen oder Steinplatten fehlen um der natürlichen Abnutzung der Krallen Rechnung zu tragen.  Ein paar modellierte Hügel und durch Gräser, Äste, Korkröhre eingebrachte Versteckplätze, eine Wasser- und eine Kalkschale und das Terrarium kann von den Schildkröten bezogen werden.

im Terrarium aus der Winterstarre erwachende Griechische Landschildkröten

ACHTUNG!!! Völlig ungeeignete Bodensubstrate sind Korkschrot, Buchenspäne oder anderes Rinden- und Holzhäcksel. Außer das diese Böden nicht trittfest sind ist es immer wieder zu Totesfällen durch von den Tieren aufgenommene Holzbestandteile gekommen welche zu Verstopfungen des Verdauungssystems führten. Sand ist zwar auch an natürlichen Standorten vorhanden, z.B. leben viele Schildkröten in Dünenbereichen, doch kam es auch bei Sand als Terrariensubstrat häufiger zu Verstopfungen. Ein Hauptgrund für die Aufnahme von Bodensubstraten können Mangelerscheinungen sein. Andererseits nehmen einige Landschildkrötenarten aber auch aktiv Bodensubstrat zur Unterstützung der Verdauung auf.

sich sonnende Nachzuchten der Griechischen Landschildkröte

Die Schildkröten sollten bei einer andauernden Schönwetterperiode ca. frühestens ab Mitte März, in manchen Jahren wetterbedingt aber auch erst gegen Ende April aus dem Übergangsterrarium in die Freilandanlage gesetzt werden. Die Temperaturdifferenz zwischen Drinnen und Draußen sollte möglichst gering sein.

Eine ganzjährige Terrarienhaltung europäischer Landschildkröten ist abzulehnen da keine Lampe der Welt die Sonne ersetzen kann und keine Simulation die Vielfalt des Wetters Draußen.

Ein Übergangsterrarium ist immer nur ein Provisorium um unser kaltes Frühjahr (im Vergleich zum schönen Frühling in den Schildkrötenhabitaten) zu überbrücken. Im Endeffekt ist es eigentlich egal ob eine Schildkröte in der Übergangszeit in einem wie oben beschriebenen Terrarium oder in einem geschlossenen Frühbeet, welches ja auch nur ein Terrarium darstellt verbringt.

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